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GEDENKEN DER OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS

Installation der Haarwolke über dem Altar der Christuskirche
Der 27. Januar steht im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Künstlerinnen der Gruppe pickArt suchten nach Möglichkeiten des Gedenkens und Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus. Um Gedenken und Erinnerung wach zu halten, entstand die Idee, eine Vielzahl kleiner Spiegel in die Kirchenbänke zu legen. Sie waren Aufforderung an die Besucher, in den Spiegel zu schauen, der nur dies eine Gesicht faßt, dies eine Leben spiegelt. Als zweites Element der Installation schwebte in der Apsis eine Haarwolke, schwer und unverrückbar. Schönheit, Würde, Lebenskraft - all dies symbolisiert das Haar des Menschen. Berge abgeschnittenen Haares künden nichts Gutes. Die Frage des "Wie" des Gedenkens ist eng verknüpft mit jener nach Schuld und Verantwortung. Kunst, insbesondere ein einzelnes Kunstwerk kann hierauf keine umfassende Antwort geben. Kunst hat die Aufgabe, Fragen wie diese stetig neu zu formulieren, neu zu denken und sie in immer anderer Form in den Raum und damit zur Diskussion zu stellen.                                           

Dass die Spiegel (...) ihre Materialität gleichsam allein in einem Widerschein der Gesichter finden, selbst also kaum Gegenstand der Wahrnehmung sind, macht sie nicht nur zu einem ästhetisch interessanten Werkstoff. Auch das existenzielle Befragen angesichts des Holocaust findet in solcher Reduzierung des Materials eine überzeugende Versinnlichung.
.... Ob schließlich eine ästhetisch "stimmige" Installation im Angesicht des Unfaßbaren nicht letztlich - im Sinne etwa Theodor Adornos - doch immer Bagatellisierung bedeutet, ist eine grundsätzliche Frage, die, wie ich finde, gestellt werden muß.
C. Zürner, Kulturpädagoge Christuskirche

Spiegelinstallation auf den Gesangbuchablagen
"In der Gedenkstätte Yad Vashem sah ich ein Foto mit einem Dutzend freundlich lächelnder Frauen meines Alters. Als ich aus der Bildunterschrift erfuhr, dass sie alle KZ-Aufseherinnen gewesen waren, wurde dieses Foto plötzlich wie ein Spiegel für mich. Ich war zutiefst erschüttert darüber, nicht sicher zu wissen, was ich damals getan oder versäumt hätte."
Anna-D. Merkord